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"Archivalien. Naturalien. Chemikalien."

Fotogramme von Georgia Krawiec

Beschreibung

Öffnungszeiten
montags - donnerstags                                    08.00 - 16.30 Uhr
freitags                                                             08.00 - 15.30 Uhr

Georgia Krawiec: „Archivalien. Naturalien. Chemikalien.“

Fotogramme brauchen keine Kamera. Sie brauchen Zeit und Licht, um zu einem einmaligen Kunstwerk zu werden. Georgia Krawiec lässt das Licht malen – allerdings in ihrer Regie. Ich arrangiere zwischen einem Fotopapier und einer Glasscheibe Stillleben aus Pflanzen oder alltäglichen Dingen, erklärt die Fotokünstlerin. Diese Collagen hängt sie gerahmt an eine Wand. Und dann wartet sie ab, manchmal Monate, meistens sogar Jahre. Krawiecs Werke sind „lebendige Bilder“, das Licht zaubert Blüten zart wie Schmetterlingsflügel auf das silberhaltige Fotopapier, verwandelt einen Strauß Silbertaler in ein Luftballon-Gebilde oder umrahmt Geldscheine mit einem Strahlenkranz. Am Ende des Prozesses wird das belichtete Bild nicht digital am Computer bearbeitet, sondern analog, „intuitiv mit der Schere“, es entstehen einmalige Papierschnitte. Erfunden hat Krawiec das Fotogramm nicht, aber sie hat eine Technik gefunden, mit der man es trotz massiver Überbelichtung entwickeln kann, ohne dass das Bild völlig schwarz wird.  Für das Auge des Betrachters bleibt oft unklar, was hier das Positiv, was das Negativ ist. Diese vermeintliche Wahrnehmungsstörung, ausgelöst durch unser analysegesteuertes Sehbedürfnis, findet bei längerem Betrachten den Weg unter die Oberfläche in Tieferes, Intimeres: Reines Empfinden und sinnliches Erleben…

Wer sich innerhalb der Ausstellung auf diese zarte Welt voller Feinheiten einlässt, wird in einen Mikrokosmos neuer Formen und gedämpfter Farben entführt, in dem Alltagsutensilien, etwa Knöpfe, Pflanzen, Nudeln, Teebeutel, Kassetten oder Schlüssel, die Protagonisten sind. Deren Körper verbinden sich auf dem Fotopapier meist als Scherenschnitte zu Neuem. Verglichen mit ihrem bisherigen Schaffen bleibt sich Krawiec treu in der Entschleunigung, im Verharren und Innehalten. Dabei ist das Zulassen des Zufalls hier Teil des experimentellen Ansatzes, durch den sich scheinbar Schwarz-Weißes bei genauerem Betrachten als pastellhaft Gelbes, Braunes, Ockerfarbenes, Rötliches oder gar Violettes entpuppt. Mut zum Experiment, verbunden mit der Liebe zum Detail und zum Manuellen sind in Krawiec‘ Arbeiten die treibenden Kräfte.

Inspiriert wurde die Künstlerin von der Subjektiven Fotografie, die in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem regen künstlerischen Austausch bedeutender Fotografen Polens und Deutschlands führte: Otto Steinert, Bronisław Schlabs und Jerzy Lewczyński. Georgia Krawiec’ Serie trägt den polnischen Titel antyKONCEPCYJNE, das im Polnischen mehrere Bedeutungen aufweist: Einerseits heißt es antikonzeptionell und konzeptfrei, andererseits aber verhütend. Insofern arbeitet die Künstlerin nach dem Motto, das Bronisław Schlabs in einem Brief 1958 an seinen Kollegen Jerzy Lewczyński formuliert: Fürchte dich vor dem Fotografischen, für die Kunstfotografie ist dies die größte Gefahr. Man muss es umformen, die uns umgebenden Dinge sollen uns nur Material sein, um daraus etwas zu bauen.

Pate der in Zusammenarbeit der Art Galerie Siegen veranstalteten Ausstellung, ist Dr. Horst Heinol-Heikkinen, Vorstandsmitglied der Asentics GmbH & Co. KG, Siegen.


VITA Georgia Krawiec

  • 1972 geboren in Kędzierzyn-Koźle, Polen
  • 1988 Emigration nach Westdeutschland
  •  1992 - 2000 Studium der Kunst mit Schwerpunkt Fotografie bei Jürgen Königs an der Universität Siegen, Stipendienaufenthalt in Krakau
  •  seit 1993 Ausstellungen in Galerien und Museen weltweit, in internationalen Sammlungen vertreten
  • seit 1994 Publikationen zu Fotografie und Fotogeschichte
  • seit 1995 Arbeit mit Lochkamera, Edeldruckverfahren und experimenteller Fotografie, seit 2011 mit Fotoobjekten
  • seit 1998 Lehrtätigkeit im Bereich Fototheorie, Fotografiegeschichte und fotokünstlerischer Praxis
  • seit 2000 freischaffende Fotokünstlerin
  • 2001 erster Preis beim von der IHK ausgeschriebenen Künstlerwettbewerb „Gesichter“ für ihr Lochkamera-Fotoporträt „Der Mathematiker“
  • seit 2005 Mitglied der Hochschule für Fotografie des Verbandes der Polnischen Fotokünstler ZPAF und der Europäischen Akademie für Fotografie in Warschau
  • seit 2007 Vorstandsmitglied des Polnischen Festivals der Lochkamerafotografie OFFO
  • seit 2016 Künstlerin der Galerie ep.contemporary,  Berlin
  • seit 2018 Zusammenarbeit mit dem ZAK - Zentrum für aktuelle Kunst,  Berlin

 

Termine

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Ansprechpartner zum Thema

Dr. Christine Tretow

Telefon 0271 3302-306
Telefax 0271 3302-44306
christine.tretow@siegen.ihk.de